Konzept

Pädagogische Konzeption der Eltern-Kind-Initiative Sieben Zwerge e.V. in München, Haidhausen
(Stand Juni 2020)

1. Vorwort

Liebe Leserin,
lieber Leser,

wir freuen uns, Ihnen auf den nachfolgenden Seiten die überarbeitete Konzeption unserer Einrichtung vorstellen zu können. Die Frage nach dem „Konzept“ ist eine der beliebtesten und dringlichsten Fragen neuer Eltern bei Elternversammlungen und häufig Grundlage einer Entscheidung für einen bestimmten Kindergarten.

Unser Konzept basiert auf den Zielsetzungen des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplanes und ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von pädagogischem Personal, Vorstand und Eltern.

Wir wünschen Ihnen allen viel Freude beim Lesen der Konzeption und hoffen damit einen Blick in die wichtigsten Grundzüge unserer Einrichtung zu erlauben.

2. Geschichte der Einrichtung

Am 4.12.1991 fand in der Breisacher Straße 11 in München-Haidhausen die erste Gründungsversammlung des Sieben Zwerge e. V. mit dem Ziel der Gründung einer Eltern-Kind-Initiative statt. Damit sind die Sieben Zwerge eine der traditionsreichsten Elterninitiativen im Viertel. Der Mietvertrag für die derzeitigen Räumlichkeiten im Vordergebäude wurde 1993 unterschrieben, seit 2003 wird unter der gleichen Adresse in der Lothringerstrasse 14 noch ein Raum im Hinterhaus dazu gemietet. In den nun fast 30 Jahren des Bestehens haben weit über 150 Kinder bei den Sieben Zwergen ihre Kindergartenjahre verbracht. Unzählige Elternversammlungen, Sommerfeste, Bauernhofübernachtungen, Waldtage und der Alltag der Kinder bei den Sieben Zwerge prägen die Geschichte der Einrichtung. Die Besetzung des pädagogischen Personals hat in den 30 Jahren naturgemäß mehrfach gewechselt, wobei wir bei den Sieben Zwergen auch immer für eine größtmögliche personelle Kontinuität standen.

3. Einrichtungsorganisation

3.1 Träger

Träger des Kindergartens ist der gemeinnützige Verein Sieben Zwerge e. V. mit Sitz in München (VR 14016). Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung, die Elternversammlung und der Vorstand. Diese Organe entscheiden über die Grundsätze der Tätigkeit des Vereins, die Aufgaben und Ziele der Einrichtung und organisieren die Arbeit des Vereins und Kindergartens. Die aktuelle Satzung des Vereins kann jederzeit auf Anfrage eingesehen werden.

3.2 Unsere Einrichtung

Unsere Einrichtung bietet Platz für 18 Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt, die in unserem Kindergarten gebildet, begleitet und betreut werden.

Das Haupthaus, in dem alle Aktionen unseres Alltags stattfinden, besteht aus den folgenden Räumen:

  • Flur mit Garderobe
  • Schlafraum (Trauminsel)
  • Küche / Büro
  • Essens- und Bastelbereich
  • Gruppen- und Spielraum mit Rittergang
  • 2 Bäder mit Waschbecken

Das Hinterhaus (oder Tobehaus) besteht aus einem großen Raum mit Turn- und Spielmatten, einem Bad mit Dusche und einem Lager. In dem Raum toben die Kinder frei oder turnen mit den Erzieherinnen. Im Hinterhaus findet auch die Vorschule mit der Lehrerin statt.

3.3 Gruppenstruktur

Bei der Gruppenzusammensetzung berücksichtigen die Eltern und das Team bei Aufnahme von neuen Kindern eine ausgewogene Geschlechter- und harmonische Altersmischung.

Die Sieben Zwerge stehen für Offenheit, Toleranz und Vielfalt. So sind ausnahmslos alle Familien bei uns willkommen. Diese Vielfalt an Kulturen und Sprachen bereichert die Gruppe. So werden die Eltern immer wieder in das Kindergartengeschehen einbezogen, indem sie von ihrem Herkunftsland erzählen, Geschichten aus ihrer Kultur vorlesen, typische Gerichte kochen oder Andenken „von zu Hause“ für den Kindergarten mitbringen.

3.4 Öffnungszeiten

Der Kindergarten ist Montag bis Donnerstag von 8.00 bis 16.30 Uhr und am Freitag von 8.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.

Die Kernzeit, in der alle Kinder anwesend sein sollten, ist von 9.00 bis 12.30 Uhr.

3.5 Tagesablauf

Der Tagesablauf in der Gruppe verläuft immer nach ähnlicher Struktur, der sich an der kindlichen Entwicklung orientiert. Um den Tagesablauf mit den Kindern sinnvoll und intensiv pädagogisch gestalten zu können, legen wir großen Wert auf die Einhaltung der Bringzeit. Es ist wichtig für uns mit allen Kindern um 9.00 Uhr mit dem gemeinsamen Morgenkreis in der Gruppe in den Tag zu starten. Auch für Ihre Kinder ist der gemeinsame Morgenkreis ein wichtiges Ritual, wo das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe gestärkt wird und Sicherheit gibt.

3.5.1 Tagesablauf

8:00 – 9:00 UhrBringzeit
9:00 – 9:30 UhrMorgenkreis
9:30 – 10:00 UhrFrühstück
10:00 – 11:45 Uhrpädagogische Angebote
12:00 – 12:30 UhrMittagessen
12:30 – 14:00 UhrRuhezeit
14:00 – 15:00 Uhr1. Abholzeit
15:00 – 15:30 UhrBrotzeit
15:30 – 16:30 Uhr2. Abholzeit (Freitags bis 16:00 Uhr)

3.5.2 Wochenaktionen

Die Sieben Zwerge haben ein sehr aktives Programm. Wir bieten den Kindern wöchentlich viele Möglichkeiten, sich zu bewegen und zu entwickeln durch unsere Angebote:

Reiten

Die kleinen ReitschülerInnen zwischen 3 und 6 Jahren werden spielerisch an den Umgang mit dem Pferd und an das Reiten herangeführt. Dabei steht nicht der sportliche Ehrgeiz, sondern die Freude am Umgang mit den Tieren im Vordergrund. Es ist uns wichtig, den Kindern den sicheren, verantwortungsbewussten Umgang mit dem Lebewesen Pferd zu vermitteln, ihnen die Bedürfnisse der sensiblen Tiere näher zu bringen und ihnen einen lockeren, entspannten Reitersitz beizubringen. Um das Pferd und seine Bewegungen bestmöglich wahrzunehmen, wird das Reiten zuerst an der Longe mit Decke und Voltigiergurt erlernt. Dabei können sich die Kinder gut festhalten und auf dem Pferderücken verschiedene Übungen (in Anlehnung an das Voltigieren) ausführen. Wenn die nötige Balance und Körpergröße erreicht sind, steigen die Kids auf den Sattel um und erlernen schrittweise das eigenständige Lenken des Pferdes.

Die Ausrüstung: unbedingt notwendig sind ein gut passender Reithelm und feste, hoch geschlossene Schuhe mit flachem Absatz (damit die Kinder ein stabiles Fußgelenk haben und nicht durch den Steigbügel rutschen können). Wenn keine Reithose vorhanden ist, eignet sich auch eine enganliegende, elastische Hose.

Der Reiterhof befindet sich im wunderschönen Münchner Süden, in Grossdingharting. Der Ort und der Hof sind eine Oase der Ruhe und bieten die optimalen Bedingungen für pferdegestützte Angebote.

Das reitpädagogische Angebot für Kinder beinhaltet nicht nur die Heranführung an den Pferdesport, sondern fördert vor allem die Bereiche der Wahrnehmung, der Motorik und des Gleichgewichts, kognitive Fähigkeiten (z.B. Aufmerksamkeit oder Konzentration), die Kommunikation und unterstützt die soziale sowie emotionale Entwicklung.

Das Reitangebot ist optional und Kosten sind extra zu bezahlen.

Waldtag

Der Wald bietet den Kindern so viele Erfahrungen wie sonst kein anderer Lebensraum. Er ist ein idealer Lernort für die Kinder.

Es ist uns wichtig, weil:

  • die Kinder einen großen Bewegungsdrang haben.
  • das Entdecken angeregt wird.
  • die Natur mit allen Sinnen wahrgenommen wird.
  • der angemessene Umgang und das Miteinander der Kinder gestärkt wird.
  • die Kinder an die frische Luft kommen.

Wir planen die Woche so, dass wir in aller Regel einmal pro Woche in den Wald gehen. Bei schlechtem Wetter und während der Eingewöhnung ist das jedoch nicht möglich.

Turnen

Kinder lieben es zu toben und herumzuspringen. Besonders das Turnen macht viel Spaß, denn dort gibt es allerlei zu entdecken: Matten, Reifen, Bälle oder Kegel. Deswegen besuchen wir einmal wöchentlich die Turnhalle des TSV München-Ost e.V. (Sieboldstrasse 4, 81669 München).

Es ist uns wichtig, weil:

  • die persönliche und soziale Entwicklung und auch die Motorik gefördert werden.
  • die Kinder durch regelmäßige Bewegungsspiele ihren eigenen Körper und ihre Wahrnehmung besser kennenlernen.
  • die Kinder mit der Musik früh ein Rhythmus- und Taktgefühl entwickeln.

3.6 Ernährung

Dem Thema Ernährung kommt in vielfältiger Hinsicht eine zentrale Bedeutung zu. Zum einen sind gesundheitsförderliche Aspekte zu nennen, um frühzeitig Ernährungsfehlern und ungünstigen Essgewohnheiten entgegenzuwirken. Zum anderen sind Mahlzeiten „[…] auch ein kulturelles und soziales Ereignis mit Ritualen und ein wichtiges und vielseitiges Lern- und Erfahrungsfeld für Kinder“ (s. BEP, S. 381). So wird auf eine angenehme Atmosphäre mit ausreichend Zeit, je nach Bedarf der Kinder ca. 30 -– 45 min, für die Mahlzeiten geachtet. In den Kindergartengruppen bedienen die Kinder sich und essen ihren Fähigkeiten entsprechend selbstständig, mit dem Ziel ihr Hunger- und Sättigungsgefühl selbst richtig einzuschätzen und zu regulieren.

Frühstück / Brotzeit:

Die Kinder bekommen von uns zum Frühstück abwechslungsreiche Kost, wie z.B. verschiedene Brote mit Käse, Butter oder Frischkäse. Es gibt immer Obst- und Gemüseschüsseln. Einmal wöchentlich wird für alle Kinder Müsli zum Frühstück angeboten und einmal Marmeladenbrot.

Mittagessen:

Das Mittagessen wird von einem Cateringservice angeliefert und von unserem pädagogischen Personal verteilt. Den monatlichen Essensplan finden Sie an der Tafel im Flur.

Getränke stehen den Kindern in Form von Wasser und Tee zur Verfügung.

3.7 Jahresplanung

Zu Beginn eines neuen Kindergartenjahres findet im Rahmen einer Sitzung die Jahresplanung statt. Zum einen werden für das kommende Kindergartenjahr aktuelle Termine und Ziele, sowohl das Team als auch die Gruppe betreffend, festgelegt. Zum anderen wird, falls es sich aus der Arbeit mit den Kindern bereits herauskristallisiert hat, ein Hauptthema fürs Kindergartenjahr gewählt, das in den folgenden Monaten als Projekt mit der Gruppe umgesetzt wird. Jedes Jahr werden St. Martin, Weihnachten, Muttertag und Sommerfest zusammen mit den Eltern gefeiert. Ein schönes Angebot des Kindergartensjahres ist eine Übernachtung in einem Bauernhof für die 5- und 6-jährigen Kinder (die Verwirklichung des Ausfluges hängt von der Verfügbarkeit des Personals ab). Im Laufe des Jahres werden auch Deutsches Museum, Nikolausdampflok, Zoo und Botanischer Garten besucht. Weitere Angebote und kleinere Projekte werden situationsorientiert im Laufe des Jahres geplant.

3.8 Schließzeiten

Der Kindergarten ist in den Weihnachts- und Sommerferien jeweils für zwei Wochen geschlossen. Zwei weitere Wochen Schließzeit fallen entweder auf die Oster- oder Pfingstferien. Die genauen Termine werden zu Beginn des Kindergartenjahres abgesprochen.

4. Personal und Rahmenbedingungen

4.1 Personal

Das pädagogische Team besteht aus einer Erzieherin in Vollzeit, die zugleich die Leitungsfunktion innehat, zwei pädagogischen Ergänzungskräften und einer Praktikantin.

4.2 Vorstand

Die Satzung des Sieben Zwerge e. V. sieht vor, dass ein ehrenamtlicher Vorstand, bestehend aus drei Personen, von der Mitgliederversammlung gewählt wird. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Derzeit verteilen sich die Aufgaben wie folgt:

  • Vorstand Finanzen
    • Erstellung eines Haushaltsplans
    • Abstimmung Budgetplanung mit Betreuerrinnen
    • Einnahmen- und Ausgabenkontrolle
    • Kontakt zur Bank
    • Erstellung und Kontrolle Verwendungsnachweis
    • Zuschuss-Beantragung
  • Vorstand Personal
    • Personalsuche und -gespräche
    • Kontrolle Arbeitszeitkonto
    • Kontakt zur Gehaltsabrechnungsstelle
    • Erstellung und Aktualisierung des Konzepts in Zusammenarbeit mit dem Team
  • Vorstand Organisation
    • Kontakt zum Jugendamt
    • Zuschuss-Beantragung
    • Kontakt zum Dachverband
    • Kontakt Mietsache
    • Versicherungen
    • Vereinsrechtliches
    • allgemeine Organisation

4.3 Elternmitarbeit

Unsere Elterninitiative ist auf die Mitarbeit und das Engagement der Eltern angewiesen. Beim Sieben Zwerge e. V. übernimmt jedes Elternteil eine feste Aufgabe für ein Kindergartenjahr. Hierzu gehören z. B. die Vorstandstätigkeit, der Wocheneinkauf, das monatliche „Großreinemachen“, die Pflege der Homepage, die Durchführung von Kleinreparaturen, die Akquise neuer Kindergartenkinder u. Ä. Die Eltern werden außerdem zu einem wöchentlichen Elterndienst eingeteilt, der immer dann einspringt, wenn es personelle Engpässe gibt, und dann die Betreuung im Kindergarten sicherstellt. Außerdem wechselt der Wäschedienst monatlich in der Elternschaft. Der Monatsdienst bestimmt, welche Eltern die Elternversammlung ausrichten, das Protokoll schreiben und die zusätzlichen Einkäufe für den Kindergarten tätigen (Büromaterial, Hygieneartikel…). Die Teilnahme an der Elternversammlung, die im zweimonatigen Rhythmus in organisatorischer bzw. pädagogischer Ausrichtung stattfindet, ist obligatorisch.

4.4 Abmeldung und Kündigung

Mit Eintritt eines Kindergartenkindes in die Schule ist keine gesonderte Kündigung zum Kindergartenjahresende nötig. In allen anderen Fällen gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von 3 Monaten zum Monatsende, die schriftlich verfasst werden muss. Bei längeren Abwesenheitszeiten (Urlaub, Krankheit, …) sind der Vorstand und das Team rechtzeitig zu benachrichtigen. Bei kürzeren Fehlzeiten reicht es, das Team am selben Tag morgens zu informieren.

4.5 Vernetzung

Ein Mitglied des Teams nimmt regelmäßig am Vernetzungstreffen der Haidhauser Elterninitiativen teil. Hier findet sowohl pädagogischer als auch organisatorischer Austausch statt. Bei Bedarf werden verschiedene Referenten, Mitglieder anderer Vereine oder des KKT eingeladen.

5. Pädagogische Orientierung

5.1 Das Bild vom Kind

Für uns sind Kinder keine unfertigen Erwachsenen, die wir möglichst schnell in unsere Wirklichkeit einzwängen sollten. Wir sehen die Kinder als eigenständige Persönlichkeiten, deren natürliche Ressourcen Neugier und Lernfreude sind. Deshalb ist es uns wichtig, die Individualität jedes einzelnen Kindes zu achten und jedem zu ermöglichen, im eigenen Rhythmus und Tempo Lernerfahrungen zu sammeln. Wir nehmen Wünsche und Sorgen der Kinder stets ernst, hören uns ihre Anliegen aufmerksam an und stärken ihr Selbstvertrauen, indem wir ihnen bei Bedarf ein offenes Ohr schenken. Im Tagesverlauf haben die Kinder jederzeit die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern und Konflikte anzusprechen. Auch bei den regelmäßig stattfindenden Kreisen (morgens und nachmittags) bekommen die Kinder die Chance, vorzubringen, was ihnen auf dem Herzen liegt, und Beschwerden oder Wünsche zu äußern. Darüber hinaus geben wir ihnen immer wieder Gelegenheit, sich in die Gestaltung des Tagesablaufes einzubringen. So entscheiden sie mit, welche Lieder gesungen werden, welchen Spielplatz wir besuchen oder wo unser nächster Ausflug hingehen soll. Aber auch bei größeren Entscheidungen beziehen wir sie mit ein. Beispielsweise, wenn es darum geht, wie wir das nächste Sommerfest gestalten oder welche Anschaffungen für den Kindergarten getätigt werden sollen.

Außerdem sind die Kinder Mitglieder einer Gruppe. In unserer Gemeinschaft lernen wir, zusammen harmonisch zu leben, uns gegenseitig zu helfen, Konflikte untereinander angemessen auszutragen, bedeutsame Beziehungen aufzubauen, und Wünsche und Rechte zu respektieren. Wir stärken und ermutigen die Kinder darin, sich zu eigenständigen und sozial kompetenten Persönlichkeiten zu entwickeln, damit sie ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft werden.

Das gesamte Team beobachtet alle Kinder aufmerksam im Tagesablauf und versucht auf diese Weise, die verschiedenen Anliegen der Kinder schon proaktiv wahrzunehmen. So ist es möglich, sich jederzeit “spontan” zusammenzusetzen und über die verschiedenen Themen und Konflikte zu sprechen. Bei der Teamsitzung, die mindestens zweimal im Monat stattfindet, tauschen wir uns als Pädagoginnen über die kleinen und großen Anliegen der einzelnen Kinder aus, um diese besser wahrnehmen und einschätzen zu können.

5.2 Grundziele – Bildungs- und Erziehungsziele

Eine wertschätzende Bildung sowie ein ausgeglichenes soziales Miteinander sind uns wichtig. Bildung im situationsorientierten Ansatz erfolgt in sozialen Zusammenhängen. Kompetenz, Selbstständigkeit und Solidarität des Kindes prägen in vielerlei Hinsicht die situationsorientierte Pädagogik.

Kompetenz bedeutet Bildung, Wissen und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Selbstständigkeit soll die Kinder stärken, ihr Recht auf Selbstbestimmung zu vertreten.
Solidarität zeigt dem Kind, dass jeder einzelne Teil einer Gemeinschaft ist, in der man bspw. Schwächeren hilft oder Aufgaben gemeinsam löst.

Die Kinder sollen ihre Stimme stärken. Durch Freispiel, gemeinsame Ritualen des Kindergartenalltages und pädagogische Angebote entwickeln sich die Kinder zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten, erweitern Ausdruckmöglichkeiten und stärken ihre Kompetenzen. Wir erarbeiten gemeinsam mit den Kindern Regeln für den Kindergartenalltag, an denen sich die Gruppe orientieren kann. Wir unterstützen die natürliche Lernfreude und ermutigen sie dazu, neue Lernschritte anzugehen. Wir sensibilisieren die Kinder für Konfliktsituationen, indem wir sie beim Lösen von Konflikten unterstützen und begleiten.

5.3 Die Rolle des pädagogischen Personals

Wir sehen uns als Begleitung und Unterstützung für die Kinder. Wir stehen neben ihnen, ohne ihre Fähigkeiten in den Schatten zu stellen, und wir versuchen sie zu fordern.

Deshalb beobachten wir die Kinder in Freispielsituationen und bei Aktivitäten, um ihre Interessen, Stärken und Schwächen zu erkennen. Wir motivieren und ermuntern die Kinder etwas zu tun, Neues auszuprobieren und Ausdauer zu entwickeln. Wir geben Trost und das Gefühl von Wertschätzung, Sicherheit und Akzeptanz. Jedes Kind hat die Möglichkeit, seine Bezugsperson zwischen uns zu finden und auch frei und selbständig zu stehen. Wir sehen uns als ständige Ansprechpartnerinnen für Kinder und Eltern.

5.4 Die Rolle der Eltern

In Elterninitiativen bestehen meist ein enger Kontakt und ein reger Austausch mit den Eltern. Für das gemeinsame Ziel einer guten Kinderbetreuung ist dies begrüßenswert. Die Zusammenarbeit und die Vermischung sind erwünscht. Eltern und Erzieherinnen organisieren den Kindergarten. Es gibt eine Zusammenarbeit und viele Mitwirkungsmöglichkeiten.

In der jährlichen Mitgliederversammlung werden die drei Vorstände des Vereins gewählt, die Finanzen geregelt sowie weitere wichtige Vereinsfragen geklärt. In Zusammenarbeit mit den Betreuerinnen werden alle organisatorischen und inhaltlichen Belange des Kindergartenablaufes organisiert. Folglich erweist es sich als notwendig, dass die einzelnen Eltern bestimmte Aufgaben, Ämter und Dienste übernehmen und damit aktiv an der Gestaltung des Kindergartens teilnehmen. Bei krankheitsbedingtem Ausfall der Betreuerinnen helfen die Eltern vertretungsweise aus. Bei Festen übernehmen die Eltern den Raum zu mieten und zu gestalten.

Die kleine Kindergartengruppe ermöglicht eine enge Zusammenarbeit zwischen den Eltern und den Betreuerinnen. Der gegenseitige Austausch zwischen Eltern und Betreuerinnen wird durch die täglich bestehende Möglichkeit des Gesprächs in der Bring- und Abholzeit, das Angebot von persönlichen Elterngesprächen sowie den regelmäßig stattfindenden Elternversammlungen, in denen ausführlich pädagogische Themen behandelt werden, gewährleistet. Ziel dieser intensiven Elternarbeit ist die gemeinsame Erziehung des Kindes, das Einbeziehen von elterlicher Kompetenz in die Arbeit der Betreuerinnen sowie die Schaffung von Transparenz bezüglich des Kindergartenalltags. Grundlage für gute Zusammenarbeit ist dabei ein offenes, vertrauensvolles und ehrliches Verhältnis zwischen Betreuern und Eltern sowie gegenseitiger Respekt und Toleranz.

6. Bildungs- und Erziehungsbereiche

6.1 Sprachliche Bildung und Förderung

Sprache ist der Schlüssel zu Bildung und zur Teilhabe an der Gesellschaft. Sie ist eine wichtige Qualifikation zur Persönlichkeitsentwicklung. Deshalb sind sprachliche Bildung und Förderung bereits im Kindergarten besonders wichtig. Jedes Kind hat einen unterschiedlich gefüllten Rucksack im Hinblick auf Spracherfahrung und -fähigkeit. Man kann nie früh genug anfangen, die Sprache auf spielerische Art und Weise zu fördern und zu stärken.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden und Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung zu unterstützen, achten wir im Alltag darauf, ein kommunikatives Umfeld zu schaffen. Wir regen Kinder zu Gesprächen an und wecken die Sprechfreude, z.B. im Morgenkreis durch eine „Erzählrunde“, wir lesen Geschichten vor und geben die Möglichkeit sie nachzuerzählen, wir bieten jederzeit Bilderbücher zum freien und gezielten Anschauen an, wir besuchen gemeinsam mit den Kindern die städtische Bücherei, wir reimen und beschäftigen uns mit Fingerspielen, Gedichten, Kreisspielen und vielem mehr. Außerdem beobachten wir gezielt die Sprachentwicklung mit den Seldak und Sismik und Entwicklungsbögen. Tischsprüche, Hörbücher und das Erlernen neuer Liedertexte sind fest in unseren Alltag integriert.

6.2 Mathematische Bildung

Die Welt, in der Kinder aufwachsen, ist voller Mathematik. Geometrische Formen, Zahlen und Mengen lassen sich im Alltag überall entdecken.

Mathematik ist wichtig für das visuelle und räumliche Vorstellungsmögen, die Einsicht über das Gleichbleiben von Größen und Mengen, das Vergleichen und Ordnen von Objekten und Materialien und für das grundlegende Verständnis von Relationen (z. B. größer / kleiner, schwerer / leichter, mehr / weniger). Zudem benötigt man Mathematikkenntnisse für das Erlernen der Uhrzeit und um das Kalendarium zu verstehen.

Die Kinder machen bei uns im Kindergarten erste Erfahrungen mit Mengen, Formen, Farben, Zahlen, Größen, Zuordnen, Vergleichen, sowie räumlichen und zeitlichen Denken. Dies geschieht im Freispiel, sowie in gelenkten Beschäftigungen, in der Vorschule für 5- und 6-Jährige und für 3- und 4-Jährige durch Lege-, Mengen-, und Zahlenspiele, Puzzle, Formen und Zahlenlegematerial, Sortieren und Zählen von Naturmaterial und Abzählreime.

6.3 Bewegungserziehung

Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang und lernen über die Bewegung spielend ihre Umwelt kennen. Sie lernen ihren Körper und dessen Fähigkeiten besser kennen. Bewegung ist essenziel für die kindliche Entwicklung.

Auf diesem Grund besuchen wir einmal wöchentlich die Kindersportschule beim TSV München- Ost e.V. Rhythmik, Gleichgewicht, Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer werden hier spielend trainiert. Wir gehen auch einmal die Woche in den Wald. Dort haben die Kinder viel Platz für freies Spiel und das Entdecken der Natur- und Tierwelt. Unser „Tobehaus“ bietet Platz fürs freie Spiel durch Polster und Hengstenberg-Geräte, bewegungs- und psychomotorische Spiele finden täglich statt. Wir besuchen die Spielplätze in der Nähe und machen oft Spaziergänge.

6.4 Musikalische Erziehung

Kinder sind von Musik begeistert und haben die angeborene Fähigkeit zum Singen und für rhythmisches Bewegen. Es ist ein ideales Medium für Kinder sich mitzuteilen.

Musik fördert die Konzentration und die Kreativität, regt die Fantasie an, hilft beim Entspannen, fördert das Körperbewusstsein sowie die motorische Kompetenz und emotionale Belastungen können so ausgeglichen werden. Kinder lernen so ihren eigenen Körper besser wahr zu nehmen und zu beherrschen.

Deshalb ist gemeinsames Singen und Musizieren im Kindergarten sehr wichtig. Dies stärkt die Kontakt- und Gruppenfähigkeit und fördert die Sprach- und Stimmbildung. Hier wird auch einem schüchternen Kind die Möglichkeit gegeben, im Mittelpunkt zu stehen, und das starke Kind muss lernen, sich zurückzunehmen.

Durch tägliches Singen in der Gruppe, sowie Finger-, Tanz- und Bewegungsspielen zur Musik fördern wir all dieses. Passend zu jeder Zeit Jahreszeit und anlassbezogen lernen wir neue Lieder. Immer freitags gehen alle Kinder zum musikbegleiteten Turnen und unsere Kleinsten dürfen nach dem Mittagessen zu entspannter Musik einschlafen / sich ausruhen.

6.5 Naturwissenschaftliche Bildung

Das bedeutet für uns: Die Phänomene der Natur zu verstehen. Ziel ist es, den „Geheimnissen der Welt“ auf die Schliche zu kommen. Dies tut ein Kind von Natur aus täglich. Es ist ein Weg vom Entdecken zum Verstehen.

Unser Ziel ist die Erfahrung des Forschens selbst. Sich selbst als Forscher zu erleben, Spaß daran zu haben, Erfolgserlebnisse dabei zu haben. Wir fördern diesen Bereich, indem die Kinder bei Spaziergängen im Wald die Veränderungen in der Natur genau beobachten (Bäume im Herbst / Frühling). Wir führen gemeinsame Experimente durch, um naturwissenschaftliche Vorgänge bewusst wahrzunehmen (z.B. das Absorptionsvermögen eines Papiers beobachten, das Schmelzen des Eiswürfels). Wir bauen und konstruieren mit unterschiedlichen Materialien und wir sammeln verschiedene Naturmaterialen, z. B. Blätter und Zapfen vom Wald. Die Kinder lernen sich in Zeit und Raum zu orientieren, z. B. Uhr, Kalender, und einfache Größen-, Längen- und Zeitmessungen durchzuführen.

6.6 Umweltbildung und -erziehung

Ziel der Umweltbildung ist es, einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen zu vermitteln.

Die Kinder lernen, ökologische Zusammenhänge zu erkennen und mitzugestalten, ein Bewusstsein für eine gesunde Umwelt und für die Bedeutung umweltbezogenen Handelns zu entwickeln, Verantwortung für die Welt, in der sie leben, zu übernehmen. Aus diesem Grund machen wir oft Ausflüge in die Natur, führen Projekte zu den Themen „Müllvermeidung und ‑trennung“ und „Tiere“ durch. Wir lernen durch Gespräche und Experimente die Eigenschaften von Wasser und dessen besondere Bedeutung in unserem Leben. Wir basteln mit Naturmaterialen und versuchen, unnötigen Müll zu vermeiden.

6.7 Gesundheitserziehung

In unserer Einrichtung wird viel Wert auf die Gesundheitserziehung gelegt. Wir achten auf das Ausruhen und wir bieten den Kindern einen gemütlichen Raum (Trauminsel) zum Ausruhen an. Wir lernen von Hygiene- und Körperpflegemaßnahmen und wir bearbeiten die Themen beim Morgenkreis. Wir sprechen über die Gefahren im Alltag und insbesondere im Straßenverkehr vor einem Ausflug oder Spaziergang. Wir lernen, wie man mit Krankheiten richtig umgeht und wir achten auf das mehrmalige Wiederholen des Prinzips des Händewaschens. Wir üben, damit die Kinder sich bei Bränden und Unfällen richtig verhalten können. Wir achten darauf, dass die Kinder eine gesunde und ausgewogene Ernährung haben durch die Aufklärung der Ernährungspyramide und durch gemeinsames Kochen und Backen. Wir sprechen über unsere angenehmen / unangenehmen Gefühle und lernen „Nein“ zu sagen.

6.8 Ästhetische, bildnerische und kulturelle Bildung

Ästhetik, Kunst und Kultur durchdringen sich gegenseitig. Die Kinder erkunden ihre Umwelt mit allen Sinnen durch Formen, Farben und Bewegung. Dafür sind richtige Reize benötigt, um ihre Neugier, Lust und Freude aufzuwecken und Freiraum für ihre eigenen Ideen zu geben.

Um diese Bereiche zu fördern, besuchen wir sehr oft Ausstellungen und Museen (Theater, Deutsches Museum, Alte Pinakothek, Bücherei). Bei den Aktivitäten bieten wir alle möglichen Bastelmaterialien, verschiedene Farben und Maltechniken an. Die Kinder haben die Möglichkeit, frei und unter Anleitung zu arbeiten. Wir spielen Kasperltheater und die Kinder machen selbst kleine Theateraufführungen. Wir bieten eine Menge von Kostümen und Kleidern an, damit die Kinder beim Spielen kreativ und fantasievoll sein können.

7. Morgenkreis und Rituale

Der Morgenkreis ist für uns sehr wichtig und wir wünschen das Teilnehmen der ganzen Gruppe. Das Zusammenkommen im Morgenkreis ist ein Ritual, das den Beginn des gemeinsamen Tages symbolisiert. Der Morgenkreis ist der ideale Ort, um besondere Ereignisse und Aktuelles zu thematisieren. Die Kinder wissen so, was am Tag auf sie zukommt. Ebenso haben sie selbst die Möglichkeit, Themen anzusprechen, die sie beschäftigen. Im Morgenkreis bietet sich die Gelegenheit, die Themen aufzugreifen und damit möglichen Unsicherheiten und daraus resultierenden Ängste zu begegnen.

Unser Morgenkreis bietet eine Mischung aus anspannenden und entspannenden Ritualen und Angeboten. Die täglichen Rituale sind ein fester Bestandteil des Tagesablaufs im Kindergarten. Sie dienen den Kindern als Orientierungs- und Strukturierungshilfe im Alltag. Die Kinder sind mit den Ritualen vertraut und haben somit immer etwas, auf das sie sich freuen können. Sie erhalten eine gewisse Sicherheit und es weckt ihr Gemeinschaftsgefühl. So legen wir viel Wert darauf, jeden Tag gemeinsam im Morgenkreis das Begrüßungslied zu singen, das Datum auf dem Kalender einzutragen, die Kinder zu zählen. Wir schauen uns das Wetter genauer an und es findet eine Erzählrunde statt. Außerdem gehört zu jeder gemeinsamen Mahlzeit ein Tischspruch und nach der Mahlzeit ein kurzer Abschlusskreis.

8. Methoden

8.1 Das Freispiel

Im Freispiel erforschen die Kinder auch ihre Umwelt. Sie entscheiden selbst, was, wo, wie lange und mit wem sie spielen möchten. Das Freispiel gibt den Kindern die Möglichkeit der Selbstdarstellung und Selbstverwirklichung. Konzentration, Grob- und Feinmotorik, Ausdauer, Rücksichtnahme und Geduld werden gefördert. Durch das Freispiel lernen die Kinder Problemsituationen und Konflikte zu verarbeiten und zu bewältigen. Wenn pädagogische Fachkräfte als Spielpartner agieren, werden die Lernerfahrungen nochmals intensiviert.

Nicht zuletzt liefert die Beobachtung und Dokumentation des Freispiels wichtige Aufschlüsse zu den Interessen und dem Entwicklungsstand der einzelnen Kinder. Diese sind wiederum für die pädagogische Arbeit sehr wichtig.

So decken wir beide Seiten ab: einen strukturierten Tagesablauf und gezielte pädagogische Angebote auf der einen, und das Freispiel auf der anderen Seite.

8.2 Die gezielten Angebote

Freispiel und gezielte Angebote laufen während des Vormittages nebeneinander her, können sich auch gegenseitig ergänzen oder auch weiterführend eingesetzt werden. Gezielte Angebote beruhen hauptsächlich auf Wünschen und Interessen der Kinder, Erlebnissen der Kinder, Jahreszeiten, Festen und dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder. Die Angebote können Basteln, Malen, Experimentieren, Bücher, Mathematik- oder Bewegungsspiele sein.

Die Konzentration, die Ausdauer, der Erlebnisspielraum, die Handlungsplanung und Selbstbewusstsein werden verbessert und die Kinder lernen ihre Kräfte kennen. Die gezielten Angebote fördern auch die Fein- und Grobmotorik, die Kognition, die Koordination und die Sprache der Kinder.

8.3 Projekte

Durch gezieltes Beobachten von Spielsituationen und Aufgreifen von Fragen und Erzählungen der Kinder werden mögliche Lernthemen und Interessensgebiete von uns erschlossen. Wir greifen diese auf und bearbeiten sie mit unterschiedlichen Methoden (z.B. kreative oder darstellerische Umsetzung, Gesprächskreise, Buchbetrachtungen, Ausflüge, Experimente usw.). Die Kinder erwerben dabei neues Wissen, Techniken, Fertigkeiten und die notwendige Konzentration, um sich über einen längeren Zeitraum mit einem Thema zu beschäftigen.

9. Beobachtung und Dokumentation

Die Beobachtung von Lern- und Entwicklungsprozessen bildet für unser pädagogisches Handeln eine wesentliche Grundlage. Überblick über den Entwicklungsstand der Kinder bekommen wir sowohl durch Alltags- als auch durch systematische Beobachtung. Wir führen die Beobachtung natürlicher Spielsituationen, aber auch künstlich hergestellter Situationen durch und halten die Ergebnisse in selbst erstellten Beobachtungsbögen fest.

Beobachtungen sind auch die Grundlage für regelmäßige Entwicklungsgespräche mit den Eltern und sind eine Hilfe für den Austausch und die Kooperation mit Fachdiensten und Schulen. Wir verwenden für die Beobachtung die vom Staatsministerium für Frühpädagogik entwickelten Beobachtungsbögen: Seldac (Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern), Sismik (Sprachentwicklung und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen), Perik (Positive Entwicklung und Resilienz im Kindertagesstättenalltag).

10. Begleitung bei Übergängen

10.1 Eintritt in den Kindergarten

Für viele Kinder und Eltern bedeutet der Eintritt in den Kindergarten eine entscheidende Veränderung. Damit dieser Übergang erfolgreich bewältigt werden kann, ist eine verständnisvolle und intensive Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kindern und Erzieherinnen notwendig und natürlich eine gute und zum Kind passende Eingewöhnung.

In unserer Einrichtung geschieht dies durch Schnupperbesuch, individuelle Eingewöhnungszeit und Eingewöhnungsgespräche. Die Eingewöhnung dauert bei uns (gewöhnlich) 1 Woche. Jede Woche kommen 2 neue Kinder zur Eingewöhnung. Durch die Eingewöhnung können die Kinder ihre Bezugspersonen aussuchen und die Erzieherinnen die beste Betreuung erzielen.

Ablauf einer Eingewöhnung:

Montag9:00 – 11:30mit Eltern
Dienstag8:30 – 12:30mit Eltern
Mittwoch8:00 – 12:30erste Trennung nach dem Morgenkreis,
Abholen nach dem Mittagessen
Donnerstag8:00 – 14:00Abschied in der Früh,
Abholen nach dem Mittagsschlaf
Freitag8:00 – 14:00Abschied in der Früh,
Abholen nach dem Mittagsschlaf

10.2 Eintritt in die Schule

Ein weiterer wichtiger Übergang ist der Eintritt in die Schule. Kinder sind in der Regel hoch motiviert, sich auf den neuen Lebensraum Schule einzulassen. Dennoch ist der Schuleintritt ein Übergang in ihrem Leben, der mit Unsicherheit einhergeht. Wenn Kinder auf vielfältige Erfahrungen und Kompetenzen aus ihrer Zeit im Kindergarten zurückgreifen können, sind die Chancen hoch, dass sie dem neuen Lebensabschnitt mit Stolz, Zuversicht und Gelassenheit entgegensehen. Unsere Aufgabe ist es, die Kinder langfristig und angemessen auf die Schule vorzubereiten. In unserer Einrichtung geschieht dies durch:

  • Intensive Förderung der Vorschulkinder in der eigenen Gruppe mit der Lehrerin
  • Schnupperbesuch in der Schule
  • Spezielle Angebote, z.B. Projekte / Exkursionen nur für Vorschulkinder
  • Vorkurs Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund

11. Vorschule

Im letzten Jahr vor der Schule erhalten die Kinder an einem Vormittag in der Woche ca. 2 Stunden Vorschulunterricht.

Diese intensive Zeit in einer Kleingruppe tut den Vorschulkindern sehr gut, da sie sich mit Themen und Aufgaben beschäftigen, die nur den „Großen“ vorbehalten sind. Sie sind in einem eigenen Raum und haben viel Zeit zum Ausprobieren und Herausfinden von neuen Erkenntnissen (Ansatz nach Maria Montessori).

Sie können dadurch ihr Selbstbewusstsein verbessern, lernen erste kleine Erfolge kennen, trainieren ihr Durchhaltevermögen und ihre Aufmerksamkeit und werden mit Frustrationstoleranz konfrontiert, was alles Fähigkeiten der sozioemotionalen Schulfähigkeit umfasst, welche heute entscheidend zu einem guten Schuleinstieg verhilft. Daneben beschäftigen wir uns auch mit den kognitiven, sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten.

Im Bereich Mathematik bahnen wir das Zählen und das Verständnis für Mengen und Größen an. Außerdem setzen wir uns mit den sogenannten Vorläuferfähigkeiten auseinander: wie sortieren, wir kategorisieren, wir bilden Reihen und Muster.

Im Bereich der Sprache nehmen wir uns Zeit, Gesprächsregeln zu lernen, tauschen uns miteinander aus und erfahren, wie es ist, laut und deutlich vor den anderen zu sprechen. „Jeder kommt bei uns zu Wort!“

Wir beschäftigen uns mit Wörtern, Reimen, Silben (ganzheitlich), was die Vorstufe des Schreiben- und Lesenlernens darstellt. Danach setzen wir uns mit der Schriftsprache auseinander, wir lernen Buchstaben und Laute kennen, wir unterscheiden sie auditiv und visuell und fangen an, Wörter zu schreiben (kleine Briefe, für die Kinder wichtige Wörter…).

Auch die Feinmotorik, die für das Schreibenlernen so wichtig ist, üben wir regelmäßig durch Bastelarbeiten, Malen und Nachspurübungen (dazu schaffen wir ein Heft an, in dem die Kinder auch zu Hause üben können).

Wir lernen auch die Schleife binden, die Uhr lesen, Verkehrsregeln theoretisch und praktisch anzuwenden, das Körperschema und wir beschäftigen uns mit unseren Gefühlen.

Als Exkursionen gehen wir jedes Jahr zur Instrumentenausstellung im Gasteig („der Gasteig brummt”), besuchen ein Theaterstück und schauen uns mindestens eine Schule an, in der wir auch am Unterricht teilnehmen können.

12. Kinderschutz

Der Kindergarten „Sieben Zwerge e.V.“ versteht sich als Ort für Kinder, der auf sozialpädagogischer Grundlage familienergänzende Erziehung und Betreuung bietet. Im Mittelpunkt steht das Kind. Die Arbeit orientiert sich an seinen Bedürfnissen. Die Erziehung soll die Kinder als eigenständige Personen wahrnehmen und fördern. Die Kinder sollen sich als Teil der Gruppe erleben. Die Partizipation der Kinder an Prozessen ist fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit.

Kinderschutz findet da statt, wo Eltern und das Team gemeinsam auf das Kind schauen, und eine Kultur der Beteiligung schließt immer die Erziehungspartnerschaft mit den Eltern ein. Bei unserem Eltern-Kind-Initiative Kindergarten ist die Beteiligung etwas besonders. Eltern und Erzieherinnen organisieren den Kindergarten. Es gibt eine Zusammenarbeit und viele Mitwirkungsmöglichkeiten. Durch den monatlichen Elternabend werden Themen, z. B. Elterndienste, Ausflüge, Feste u. a. von Vorstand, Eltern und Pädagoginnen besprochen. Alle haben eine Stimme.

Die Kinder haben auch eine Stimme und Rechte. Beteiligung bedeutet für uns, dass die Kinder mitbestimmen und mitentscheiden können über Dinge oder Ereignisse, die ihr gemeinsames Leben im Alltag der Einrichtung betreffen. Über ihre Beteiligung erfahren wir mehr von und über die Kinder. Sich für die Ideen der Kinder interessieren, ihnen aktiv zuhören und sie zu ermutigen, ihre Sicht darzustellen.

Erzieherinnen und Kinder setzen sich regelmäßig zusammen (Morgenkreis), damit alle Kinder die Möglichkeit haben, ihre Ideen in die Gruppe einzubringen. Die Kinder erleben ihre Möglichkeit zu Partizipation und lernen, dass sich in der Gruppe demokratisch das Zusammenleben wirkungsvoll gestalten lässt. Beispiele aus dem Alltag: im Morgenkreis dürfen die Kinder Lieder und Kreisspiele selber aussuchen, von sich selber eine Geschichte erzählen, bei gezielten Angeboten darf jedes Kind frei entscheiden, ob es mitmachen möchte, während des Freispiels dürfen die Kinder Spielpartner und Spielmaterial frei wählen, frei Platzwahl bei Mahlzeit, bei Festen oder Aufführungen haben alle Kinder eine Rolle (niemand „muss“).

Damit die Kinder sich beteiligen können, müssen sie wissen, worum es sich bei den anstehenden Entscheidungen handelt und welche Anforderungen an sie gestellt werden. Unsere Aufgabe als pädagogische Fachkräfte ist es, ihnen dazu die notwendigen Informationen zu geben und für die nötige Transparenz zu sorgen. Insbesondere in der Eingewöhnungsphase, wenn vieles noch neu ist, erläutern wir den Kindern die Regeln und Abläufe, bevor etwas geschieht.

Beteiligung verstehen wir auch als Schüssel der Bildung. Wenn wir Kinder an Entscheidungen beteiligen, lernen sie, mit anderen zu kommunizieren, selbständig Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig werden sie mit den möglichen Konsequenzen und Folgen konfrontiert, wenn bestimmte Regeln nicht eingehalten werden. So gehen sie Bildungsprozesse und Lernsituationen ein, in denen sie Handlungskompetenzen erwerben und einüben.

Grenzen der Beteiligung sehen wir bei einer möglichen Selbst- oder Fremdgefährdung der Kinder, was nicht bedeutet, dass die Kinder nicht auch das Recht haben, an ihren Grenzen zu lernen und sich in unsicheren Situationen zu erfahren. Wir achten darauf, bei welchen Herausforderungen die Kinder ihre Autonomie und Mündigkeit üben können und welche Anforderungen sie über- oder unterfordern. Es liegt in der Verantwortung aller an der Erziehung Beteiligten, sie dabei zu unterstützen, welchen Entwicklungsherausforderungen sie sich stellen wollen und können.

Beteiligung bedeutet nicht, dass wir jede unserer Entscheidungen mit den Kindern ausdiskutieren. Das Selbst- und Mitbestimmungsrecht der Kinder respektieren wir im Rahmen gegebener Grenzen und Regeln, die wir erläutern.

Beteiligung erfordert deshalb auch eine Auseinandersetzung im Umgang mit Macht – keine Erzieher/in kommt um machtvolles Verhalten herum. Umso wichtiger ist es für uns, wahrzunehmen, welche Bedeutung Macht in unserem pädagogischen Alltag hat und dass wir die Verteilung der Macht zwischen uns Erwachsenen und den Kindern reflektiert gestalten.

13. Beschwerdemanagement

Im Rahmen eines wirksamen Kinderschutzes sind die Etablierung von Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten in einem Kindergarten nötig. Wir sorgen dafür, dass die Kinder neben ihrem Recht auf Beteiligung auch das Recht haben, sich zu beschweren. Das stärkt ihre Position im Kindergarten und gibt uns neue Sichtweisen auf unser eigenes Wirken. Kinder, die sich selbstbewusst für ihre Rechte und Bedürfnisse einsetzen, sind besser von Gefährdungen geschützt.

Gerade in der Auseinandersetzung mit den eigenen Beschwerden und Anliegen ergeben sich für die Kinder Möglichkeiten, personale Kompetenzen wie Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit zu entwickeln. Ebenso erwerben sie soziale Kompetenzen, oder es müssen alternative Lösungen und Strategien entwickelt oder Kompromisse ausgehandelt werden.

Hinter einer Beschwerde steckt ein Entwicklungspotential. Die Anliegen und Bedürfnisse, die die Kinder und die Eltern äußern, führen zwangsläufig zu einer Reflexion unserer Strukturen und Abläufe und des eigenen Verhaltens. Beschwerden bewirken Veränderung und ermöglichen Entwicklung. Damit dienen sie der Qualität unserer Einrichtung.

Die Kinder äußern ihre Beschwerden oft nicht direkt. Ihre Anliege und Bedürfnisse, die hinter einer Beschwerde im weitesten Sinne liegen, können sehr unterschiedlich aussehen. Dies kann ein Unwohlsein, eine Unzufriedenheit sein, es kann sich um einen Veränderungswunsch handeln oder ein Thema betreffen, das sich aus dem Verhalten und Reaktionen anderer ergibt. Wir Fachkräfte sind gefordert, die Unmutsbekundungen der Kinder bewusst wahrzunehmen und sich mit ihnen auf die Suche nach dem zu begeben, was hinter der Beschwerde steckt.

Das bewusste Annehmen der Beschwerde ist eine Herausforderung, wenn in der aktuellen Situation wenig Zeit bleibt. Dann signalisieren wir Fachkräfte mit einer ersten Reaktion, das Anliegen wahrgenommen zu haben und knüpfen in einer ruhigen Minute allein mit dem Kind oder z. B. im Morgenkreis an die Situation wieder an. Unser Anspruch ist es, dieses persönliche Aufnehmen und Konkretisieren der Beschwerden verlässlich zu gewährleisten. Beschwerden über Alltagssituationen werden mit den Kindern besprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Jedes Kind darf selbst seine Kontaktperson / Bezugsperson wählen. Auch bei den Kindern ist eine Fehlerfreundlichkeit wichtig, damit die Kinder nicht unter Kritik stehen und selbstbewusst sind.

Eltern nutzen einen Teil dieser „Beschwerdewege“ ebenfalls, wenn sie Anliegen haben. Ihre Beschwerden liefen uns wichtige Hinweise darüber, welche Wünsche und Erwartungen sie haben. Nach unserer Meinung ist eine Beschwerde eine Chance zur Entwicklung und zum Vorschlagen. Unser Team bemerkt und registriert die Beschwerden der Eltern. Unser Ziel ist die Verbesserung.

Unser Anspruch ist es, die Belange möglichst schnell zu bearbeiten und eine Lösung zu erreichen. Manchmal reicht das vertrauensvolle Gespräch aus, um die Beschwerde zu beheben. Manchmal ist es notwendig, für die Bearbeitung weitere Stellen miteinzubinden. Dabei ist die direkte Ansprache der Gruppenkraft oder der Leitung der einfachste und beste Weg zur Klärung. Möchten die Eltern diesen Direktkontakt (persönliche Gespräch) nicht nützen, haben die auch die Möglichkeit, sich an ihre Elternvertretung bzw. an dem Vorstand zu wenden. Im Sinne einer beschwerdefreundlichen Kultur sehen wir dies als völlig legitim an.